Tag 4 - Im Kanu durch die Verdon Schlucht

Genauso spät, wie die Party des Vorabends endete, ging der neue Tag los. Genaugenommen um ca. 6.00 h, denn ein paar Feierwütige, von Hustenkrämpfen geschüttelt, waren schon wieder auf den Beinen, um die Kehle mit Bier zu ölen. Der Ratschlag aus dem Roadbook, im Hinblick auf den kommenden Tag maßvoll zu konsumieren, war leider nicht bei jedem angekommen.

Max und Nina hatten wie Speedfreak, der unter freiem Himmel nächtigte, keine besonders erholsame Nacht gehabt. In ihrem Zelt hatten sie zudem beim Zubettgehen noch einen Fremdschläfer erwischt, der sich nur sehr unfreiwillig nach draussen befördern ließ.

Egal, heute ist ja das geile Kanurennen in der atemberaubenden Schlucht von Verdon (O-Ton Veranstalter). Alle Teams müssen demnach um 10 Uhr am Startpunkt unten am See sein. Bis dahin heißt es für uns aber, den Müll und das Leergut des letzten Abends zu beseitigen. Unglaublich, wieviele angetrunkene, teilentleerte Bierflaschen ihren Besitzern abhanden gekommen sind. Bei der Ensorgung der Reste wäre es kein Wunder, wenn an der Stelle demnächst ein Bierbaum wächst.

Wir schaffen es gerade noch auf den letzten Drücker, rechtzeitig am Startpunkt zu sein. Nur das Team vom Lechhauser ist noch später dran. Schnell die Westen umgeschnallt und schon ertönt der Startschuss. Team Car-Hifi befördert sich mit einem spektakulären Manöver an die Spitze, gefolgt von den Pirates. Wir sind irgendwo im Mittelfeld zu finden. Schnell stellt sich heraus, das Paddeln im 3er-Kanu keine einfache, wenn auch spassige Angelegenheit ist. Das geht (fast) allen Team so. Hätte man die Szene von oben gefilmt und die Zick-Zack-Bahnen der Teams eingezeichnet, so würde man wahrscheinlich einen Schnittmuster-Bogen vorfinden. Wir kollidieren mehrfach aufgrund von Navigationsschwierigkeiten mit anderen Teams (auch mit der Felswand der Schlucht), werden selber häufig attackiert und erreichen mit Mühe und Not den Wendepunkt. Der Rückweg fällt dann zwar leichter, dafür lässt die Kraft aber nach. Fast hätten uns die Chicken Bomber noch überholt, aber mit letzter Kraft schaffen wir doch noch Platz 6. Der Veranstalter hat mit einer Zeit von ca. 60 min. gerechnet, der Gewinner - Team Car-Hifi - war aber bereits nach 20 min. wieder da. Soviel Ehrgeiz hat allerdings auch seine Schattenseiten: ein Teammitglied musste vor Überanstrengung ein übergroßes Bäuerchen machen, die anderen beiden lagen nach 20 min. immer noch wie tot auf dem Boden.

Der Re-Start, eigentlich als spektakuläre Einlage gedacht, war etwas verhalten und die einzelnen Teams machten sich gemächlich auf die Weiterreise. Auch wir zogen eine ausgedehnte Kaffeepause vor und begaben uns dann in Richtung Grand Canyon (der heißt übrigens wirklich so). Die Schluchten von Verdon sind beeindruckend und wir meistern die kurvenreiche Strecke nicht gerade flott - was allerdings mehr an der sehenswerten Landschaft als am Fahrvermögen liegt. Unterwegs gönnen wir uns nochmals eine etwas ausgedehntere Pause - dieses Fleckchen ist einfach zu schön, um daran vorbei zu fahren.

Weiter geht's nach Grasse, wo wir den empfohlenen Besuch der Parfumfabriken auslassen und nach Lösung der Aufgaben gleich weiter nach St. Tropez fahren. Auf den Strassen ist an diesem Sonntag die Hölle los und wir kommen leider auch an einem tragischen Motorradunfall mit Todesfolge vorbei. Kein schöner Anblick - die gute Stimmung ist für kurze Zeit ziemlich gedrückt.

Zwanzig Kilometer vor St. Tropez finden wir an der Strasse ein tolles und preiswertes Hotel. Nach einer kurzen Schwimmeinlage im Pool verbringen wir den Abend in St. Tropez, erfüllen die Aufgaben des Roadbooks und gehen dann noch Essen. Allerdings erst nach einer nervenaufreibenden Parkplatzsuche, denn für Parkplätze wurde St.Tropez einfach nicht gebaut. Im Städtchen treffen wir dann auf die Chicken Bomber, die sich den RTL-Redakteur Tim unter den Nagel gerissen haben.

Unser Essen in Hafennähe ist nicht gerade billig, der Service bei diesen Preisen einfach unverschämt und dann schreibt man uns auch noch 2 (!) Flaschen Wasser auf die Rechnung (11 €), die wir nie bekommen haben. Relativ verärgert versuchen wir, die erhitzten Gemüter bei einem Eis wieder abzukühlen, was auch ganz gut gelingt. Im Hotel angekommen gibt's noch ein Feierabendbier, dann wird gegen 1.30 h geschlafen.

Und morgen geht's weiter in die Camargue, entlang der südfranzösischen Küste.

Hasta mañana

Euer Camon Team

P.S. Camon kommt hier ziemlich gut an, wenn man den Blicken der Passanten folgt. Und die kostenlose Abgabe unseres Erfrischungs-Drinks finden die Franzosen richtig gut.

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